Die Speerschleuder – Atlatl und Dart – zählt zu den ältesten komplexen Distanzwaffen der Menschheit und spielte insbesondere während der europäischen Eiszeit eine zentrale Rolle im Überleben unserer Vorfahren. Lange bevor Bogen und Pfeil verbreitet waren, jagten eiszeitliche Jägerinnen und Jäger mit Speerschleudern große und kleine Beutetiere und passten ihre Technik an eine raue, dynamische Umwelt an. Archäologische Funde aus dem Jungpaläolithikum, etwa aus Frankreich, Deutschland oder Spanien, belegen die Nutzung dieser hochentwickelten Jagdwaffe bereits vor über 20.000 Jahren.
Eiszeitliche Speerschleudern bestehen in der Regel (vermutlich) aus einem schmalen, oft leicht flexiblen Holzschaft mit einem Haken aus Geweih oder Knochen am Ende, der in das ausgehöhlte Ende des Darts (Wurfspeers) greift. Durch die Verlängerung des Arms entsteht beim Wurf ein ausgeprägter Hebeleffekt, der den Speer stark beschleunigt und ihm eine deutlich höhere Reichweite, Präzision und Durchschlagskraft verleiht als ein handgeworfener Speer. Geschwindigkeiten von über 100 km/h sind dabei realistisch.
In diesem Kurs bauen wir eine Speerschleuder nach eiszeitlichen Vorbildern, wie sie von Rentierjägern des Magdalénien oder Gravettien verwendet worden sein könnten. Der Fokus liegt auf funktionalem Design, geringem Gewicht und robuster Bauweise – angepasst an mobile Jäger, die große Distanzen zurücklegten. Besonderes Augenmerk legen wir auf die Balance zwischen Speerschleuder und Dart, da ein gut abgestimmtes System entscheidend für sauberes Werfen und ein konstantes Trefferbild ist.
Neben dem Bau ist auch die Anwendung ein zentraler Bestandteil des Kurses. Du lernst verschiedene Wurftechniken kennen, beschäftigst dich mit Haltung, Rhythmus und Timing und erfährst, wie kleine Veränderungen große Auswirkungen auf Flugbahn und Treffpunkt haben können. Auch Pflege und Wartung der Ausrüstung sowie einfache Methoden zur Einschätzung der Wurfgeschwindigkeit werden behandelt, um deine Technik langfristig zu verbessern.
Die effektive Jagddistanz einer eiszeitlichen Speerschleuder liegt realistisch zwischen 10 und 30 Metern. Gejagt wurden vor allem Rentiere, Wildpferde und andere Großsäuger, aber auch kleinere Tiere wie Hasen oder Vögel. Der Dart besteht aus einem langen, flexiblen Holzschaft – etwa aus Hasel oder Weide – und wird am hinteren Ende befiedert. Ein austauschbarer Vorschaft aus Hartholz ermöglicht die Verwendung unterschiedlicher Spitzen. Ein gut gebauter Dart ähnelt einem überlangen Pfeil (bis zu 2,5 m) und ist bei korrekter Nutzung äußerst langlebig.
Die Speerschleuder selbst wird aus Holz, Leder, Geweih, Naturleim und evtl. weiteren traditionellen Materialien gefertigt. Alle Arbeitsschritte – vom Rohmaterial bis zum funktionalen Jagdgerät – werden gemeinsam in der Gruppe durchgeführt. Benötigte Materialien, Werkzeuge sowie begleitende Zeichnungen werden gestellt.
Der Kurs findet vollständig im Freien statt. Ein offenes Feuer steht während der gesamten Zeit zur Verfügung, eine einfache Überdachung wird gestellt. Bitte bringe eine trockene Unterlage, Verpflegung und gegebenenfalls einen Schlafsack mit. Am Ende des Kurses geht jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer mit einer voll funktionsfähigen eiszeitlichen Speerschleuder und passendem Dart nach Hause. Handwerkliche Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – Neugier und Freude am Experimentieren genügen.
Ich freue mich darauf, mit dir gemeinsam ein Stück eiszeitlicher Jagdtechnik lebendig werden zu lassen.
2 Tägiger Kurs zum Thema: Eiszeit Speerschleuder.
Der Kurs findet nur auf Anfrage statt, auch unter der Woche möglich. Für die Tübinger Atlatl-Freunde 50 Euro ermäßigt
150,00 €
Endpreis, zzgl. Versandkosten2
Versandkostenfrei in folgende Länder: Mehr anzeigen Weniger anzeigen
